Wallfahrtsort Billerbeck

Am 26. März 809 starb in Billerbeck der Heilige Liudger. Deshalb ist der Sterbeort des ersten Bischofs von Münster bis heute der Mittelpunkt seiner Verehrung im Bistum Münster geblieben. Offiziell wird er, der historischen Schreibweise entsprechend "Liudger" genannt, viele Menschen in Billerbeck und darüber hinaus nennen ihn aber immer noch am liebsten „Ludgerus“ oder einfach „Ludger"; nach seinem Tod immer noch präsent.

 Der „Billerbecker Dom“ in der Stadtmitte ist das Zentrum der Verehrung des friesischen Missionars. Am Standort seines Sterbehauses errichteten die Baumeister den Südturm des heutigen Gotteshauses, das 1898 fertig gestellt wurde. „Sterbekapelle“ wird dieser Ort meistens genannt.

 

 Seit 1730 befand sich an dieser Stelle eine offene Kapelle. Jetzt ist die im Südturm des neugotischen Domes befindliche Sterbekapelle das Ziel der Wallfahrer. Sie birgt unter dem Altar eine Reliquie des in Werden an der Ruhr bestatteten Heiligen.

 

 Obwohl der letzte Aufenthalt Liudgers und sein Tod in Billerbeck schon mehr als 1200 Jahre zurück liegen, ist er an diesem Ort allgegenwärtig und bis heute im Bewusstsein der mehr als 11.500 Einwohner unser Stadt lebendig. Figuren und Wappen mit seinem Bildnis finden sich nicht nur an seinem Sterbeort, sondern auch an privaten und anderen öffentlichen Gebäuden der Stadt. Einer der drei katholischen Kindergärten, eine Grundschule und das Altenwohnheim haben ihn zum Patron. Der „Liudger-Arbeitskreis“ hat sich zur Aufgabe gemacht, die Verehrung zu pflegen.

 

Nach dem Dom gilt der Ludgerus-Brunnen als ein wichtiger Ort, an dem die Verehrung zum Ausdruck kommt. Unweit des Standzentrums sprudelt eine kleine Quelle aus dem Boden. Neben dem Brunnen steht eine Skulptur, die den Hl. Ludgerus zeigt. Doch sein Gesicht ist das Porträt einer seiner Nachfolger. Die Züge zeigen Clemens August Kardinal von Galen, der als Bischof von Münster im Jahr 1934 hier erstmals in der Öffentlichkeit gegen die nationalsozialistische Rassenlehre Stellung bezog.

 

Und schon früher in der Geschichte war der Ludgerus-Brunnen in Billerbeck Schauplatz der Emanzipation des katholischen Glaubens. Während des Kulturkampfes in der Mitte des 19. Jahrhunderts fanden hier Kundgebungen gegen die diskriminierenden Gesetzte der preußischen Regierung statt. Als der Kulturkampf überstanden war, wurde dann der große „Billerbecker Dom“ zum Ausdruck des wieder gewonnen Selbstbewusstseins.

 

Nicht allein der Bau, sondern auch die Besinnung auf den berühmten Patron formten das Selbstverständnis und überwanden die zeitliche Distanz zum Leben und Wirken des Hl. Ludgerus. Die Bischöfe von Münster haben die Stadt deshalb auch immer in besonderer Weise hervorgehoben. Das wurde zuletzt im Jahr 2009 auf beeindruckende Weise deutlich, als der 75. Nachfolger des Hl. Liudger, Bischof Dr. Felix Genn, einen Tag vor seiner Amtseinführung als neuer Bischof von Münster vom münsterschen Domkapitel in Billerbeck offiziell auf dem Boden des Bistums begrüßt wurde.