Impulse zum Sonntag

Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde!

Ein Impuls von Christian Peters

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: 
Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.
Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.
Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.
Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.
Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.
Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.
Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen,
damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner?
Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?
Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

Erziehung Was hat Jesus eigentlich getan? Er hat nichts geschrieben, gar nichts. Erziehung geschieht nicht durch das geschriebene Wort. Er war wie ein Lehrer, der sagt: Hört einmal! Ich werde euch keine Fragen stellen, aber ich werde Tag und Nacht ununterbrochen bei euch sein. Sobald wir erkennen, was das Zusammenleben, das gemeinsame Leben, zu dem wir verpflichtet sind, erfordert, finden wir praktisch alle Normen der göttlichen Erziehung wieder. Alles im Leben ist eine Sache des Dabei-seins, auf den Alltag kommt es an. (Jean Steinmann)
Gut ist die Herrschaft der Liebe; denn sie zieht den Sinn ihres Getreuen von allem ab, was bös ist.
Dante Alighieri (1265 - 1321), italienischer Dichter und Philosoph; gilt als bedeutendster Dichter des europäischen Mittelalters. Quelle: »Das neue Leben«

Foto: Ch. Peters


Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

Ein Impuls von Pfr. em. Hans-Karl Seeger

Das ist auch uns gesagt, was heute in der ersten Lesung steht: „Rede zur ganzen Gemeinde der Israeliten und sag zu ihnen: „Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig.“
In der zweiten Lesung ruft uns Paulus zu: „Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? [...] der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.“

Was verstehen wir heute unter „heilig“? Die meisten wohl übergroße Tugendhaftigkeit, sittliche Vollkommenheit. Das bedeutete „heilig“ aber nicht nur und nicht immer. Es hat eher mit dem zu tun, was Gott dem Abraham im Buch Genesis 17,1 sagt: „Wandle vor mir und sei ganz.“ 
In der neuen Bibelübersetzung steht „untadelig“, wo in der Vorgängerbibel „rechtschaffen“ steht. „Rechtschaffen“ klingt für mich moralisch, „untadelig“ auch, was aber nicht gemeint ist. Gemeint ist „vollständig, ganz“.
Paulus redet alle in Korinth mit „an die Heiligen ...“ an, obwohl dort Sünder zu ermahnen sind. Es geht um die Heiligung durch die Taufe. Dadurch leben wir in Gott und er in uns. Schon in Athen hatte Pauls den Griechen gesagt: „In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Apg 17,28). Zwei Ansichten derselben Wahrheit: In uns wohnt Gott und wir leben in ihm. Das ist für mich der Kernpunkt meines Glaubens. Theologisch müßte ich sagen: Es ist der Glaube an die Auferstehung.
Auferstehung bedeutet für mich nicht, daß ich nach meiner Beerdigung am Ende der Tage wieder aus dem Grab krabele. Wir können nicht anders, als zeitlich und räumlich zu denken. Zeit ist für mich eine Pause von der Ewigkeit, in der ich jetzt schon lebe. Im Sterben fallen die Schleier und ich schaue unverhüllt die Herrlichkeit Gottes, den Glanz des Ewigen Lichtes.
Wir sind jetzt Tempel Gottes, in dem Gottes Geist wohnt. Unser Leib ist der Tempel des Heiligen Geistes. Es gab auf dieser Erde nur einen Tempel, in dem die Herrlichkeit Gottes wohnte. Das war der Tempel Salomos. 
Können wir von unserem Leib sagen, daß er eine „heilige Wohnung“ ist? Einerseits ist das sicher so, weil wir selbst „Heilige“ sind. Gott hat uns geheiligt“ durch das ein für alle mal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi“ (Heb 10,10). 
Wenn der Leib des Gläubigen „der Tempel des Heiligen Geistes“ genannt wird, dann darf der Gläubige eben durch seine Anwesenheit hier auf der Erde ein heiliger Tempel Gottes sein, so wie der Herr Jesus es in vollkommener Weise war. Doch leider gelingt es uns nie, der Heiligkeit, die in uns wohnt, zu entsprechen. Aber das sollte uns nicht entmutigen und darf auch keine Entschuldigung sein. Laßt uns danach streben, dem Herrn Jesus ähnlicher zu werden. Uns wird heute zugerufen: „Der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr!“

 

Foto: Maison Carrée in Nîmes


Eure Rede sei freundlich zu jedermann, aber mit Salz gewürzt!

Ein Impuls von Christian Peters

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Orientierungspunkte und Orientierungshilfen dürfen wir Christen sein - in dieser Welt und in der heutigen Zeit. Das sind wir, wenn wir Christus in unser Leben stellen und ihm nachfolgen. Das beginnt nicht erst dann, wenn wir perfekt sind und schon alles können, sondern dann, wenn wir anfangen das in unserem Leben und Alltag umzusetzen, was wir aus Gottes Wort erkannt und verstanden haben. Wir sind aufgefordert das aus unserem Leben auszuräumen und in Ordnung bringen, was Schatten wirft, die Dinge, die uns von seiner Botschaft trennen. Licht fängt da an, wo wir zum Beispiel das umsetzen, was wir von den Werken der Barmherzigkeit verstanden haben.

Wenn die Botschaft der Liebe in unser Leben hineinwirkt, dann wirkt sich das aus, dann wird es Hell und unser Leben in Gemeinschaft bekommt Geschmack!

"Eure Rede sei freundlich zu jedermann, aber mit Salz gewürzt", Paulus (Kol 4, 6).

Foto © Ch. Peters


Meine Augen haben das Heil gesehen

Ein Impuls von Christian Peters

Simeon heißt „Gott hat erhört/Die Erhörung“. Und sein Name ist Programm. Simeon hat die Gewissheit: Ich werde irgendwann in meinem Leben dem Heiland begegnen. Dann kann ich getrost sterben.

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

Es kam für die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.

Der Friede Gottes ist ein Friede, der höher ist als alle Vernunft.

… Der Friede Gottes ist die Treue Gottes unserer

Untreue zum Trotz, im Frieden Gottes sind wir geborgen, behütet

und geliebt. Freilich er nimmt uns unsere Sorge, unsere

Verantwortung, unsere Unruhe nicht völlig ab, aber hinter all

dem Treiben und Sorgen ist der göttliche Friedensbogen aufgegangen, wir wissen unser Leben getragen und in Einheit mit

dem ewigen Leben Gottes, wir wissen, daß der Riß, den wir immer

wieder schmerzlich empfinden müssen, nur ein immer erneuerter

Hinweis darauf ist, daß Gott den Riß geschlossen hat,

daß er uns in sein Leben hineingezogen, so wie wir sind, als

Menschen der Erde, als Menschen mit Herzen und Sinnen, das

heißt in der Sprache der Bibel: mit Leidenschaften und Nöten,

mit dem Eindrücken der Welt befangen. Der Friede Gottes,

welcher höher als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und

Sinne in Christus Jesus (Philipper 4, 7). Er bändige unsere Leidenschaft, er nehme in Zucht unsere Gedanken und unseren

Willen und führe uns zu dem Frieden Jesu Christi, der gesprochen

hat, der sich uns gegeben hat in der Nacht von Golgatha,

Meinen Frieden gebe ich, meinen Frieden lasse ich euch, nicht

gebe ich wie die Welt gibt, euer Herz erschrecke nicht und

fürchte sich nicht (Johannes 14, 27).

Dietrich Bonhöffer

Quelle: Barcelona, Berlin, Amerika 1928-1931, DBW Band 10, Seite 537f.

Foto: © Ch. Peters


Sanftmut

Matthäus 5,1-12
Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
Dann begann er zu reden und lehrte sie.


Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.


Helmut Schmidt soll einmal gesagt haben: „Mit der Bergpredigt kann man keine Politik machen.“
Und wenn ich mir die Seligpreisungen durchlese, kann ich ihn erst einmal verstehen. Da heißt es zum Beispiel in einer anderen Übersetzung: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen“….wie soll das gehen?
Sanftmut widerspricht völlig dem heutigen Zeitgeist. Man schaue nur auf den neuen amerikanischen Präsidenten.
Wie soll man mit Sanftmut etwas erreichen z.B. zu einem beruflichen Erfolg kommen. In dieser Leistungsgesellschaft zählen Durchsetzungskraft, Ellenbogen und Ehrgeiz. Wer sanftmütig ist, wird von den anderen beiseitegeschoben…keine Chance auf Aufstieg und Erfolg.
Aber ist der Gedanke nicht wunderbar, wenn Sanftmütigkeit gerade in den Zeiten der Krisen und der Konflikte eingesetzt würde? Wenn man nachgiebiger ist und manchmal „alle fünfe“ gerade sein lässt.
Vielleicht würden Beziehungen zu den Mitmenschen (oder auch anderen Nationen) leichter, einfacher und wären nicht mehr so angstbesetzt.
Das würde in der großen Politik eventuell doch funktionieren, und im Kleinen sollten wir es einfach einmal versuchen.
Monika Stockmann