Impulse zum Sonntag

Ja, ja, die liebe Familie…

Auszüge aus der Predigt von Diakon Thorsten Wellenkötter

‚Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und gar Mutter‘, heißt es heute im Evangelium des Sonntags. Kein Wunder, dass bei solchen Worten die leibliche Familie Jesu etwas aufgebracht ist.

Denn bei Gott zählt weniger die Blutsverwandtschaft, sondern die innere Zugehörigkeit zur Familie Gottes!


Deshalb reden sich Christen – zugegebener Weise manchmal sehr floskelhaft – mit ‚Schwestern und Brüder‘ an. Mich hat einmal sehr beeindruckt, als mich ein evangelischer Mitchrist, dessen Frau ich beerdigt habe, mit ‚Bruder‘ ansprach – und zwar außerhalb jedes Gottesdienstes!


Wie ungewohnt in meinen Ohren, aber doch ganz nah am Evangelium weil er durch seinen bekennenden Glauben wie ich auch zur großen Familie Gottes gehört.

Und gehören wir zur großen Familie Gottes, dann sollten wir auch füreinander Verantwortung tragen.


Das ist mir noch aus der ersten Entzyklika von Papst Benedikt in Erinnerung, wenn er von der Familie Gottes sprach, die in der Liebe füreinander einsteht.

Deshalb sollte dann für uns als Familie Gottes die Nächstenliebe nicht eine lästige Pflicht sein, die man halt aus Nettigkeit so tun muss, sondern ein Ausdruck unserer geschwisterlichen Sorge für einander.


Caritas wird so zur Familienfürsorge.

Als ich vor einiger Zeit mal in Leipzig zu Gast war und dort den Sonntagsgottesdienst in der katholischen Kirche erlebt habe, hat mich das nachhaltig beeindruckt, wie die Gemeindemitglieder miteinander umgegangen sind.


In der großen Stadt Leipzig leben nur ganz wenige Katholiken; aber diejenigen, die zum Gottesdienst zusammen kamen hatten wirklich einen Blick füreinander und freuten sich ausdrücklich, sich in der Kirche zu begegnen und zeigten das auch offensiv.


Wir Münsterländer sind da eher etwas zurückhaltender!

Natürlich, wie in jeder anderen Familie auch, kann es dann auch bei der Familie Jesu mal Meinungsverschiedenheiten oder gar Streit geben. Hautnah erleben wir das ja gerade in der Kirche, wie sich die Mitbrüder im Bischofsamt doch damit schwer tun, eine gemeinsame Linie im Bezug auf den Kommunionempfang von evangelischen Ehepartnern zu finden.


Nur wichtig ist auch, unseren Brüdern und Schwestern bei unterschiedlichen Meinungen nichts Falsches zu unterstellen oder ihnen gar die Rechtgläubigkeit abzusprechen.


Das wünsche ich uns als Kirche:

ein gutes familiäres Miteinander, bei dem wir immer wieder neu nach dem Willen Gottes fragen und suchen,


liebe Schwestern, liebe Brüder!

Sein Herz schlägt nur für Dich!

von Pfr. Frank Bakenecker

„Frisch“ und „bis über beide Ohren Verliebte“ sagen einander: „Mein Herz schlägt nur für dich!“ Das Herz ist das Symbol für die Mitte einer Person, wo sich Verstand und Gefühl eines Menschen sammeln. Wenn wir Katholiken vom ‚Herzen Jesu‘ bzw. von der ‚Herz Jesu Verehrung‘ sprechen, verstehen wir darunter den Dank dafür, dass Jesus Christus wirklich Mensch wurde - und das Staunen darüber, dass wir wohl nie begreifen können, warum sich Gott bis zum Letzten und Verwundbarsten, für uns Menschen hingegeben hat.

„Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, [...] kamen die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Beine, dann dem anderen, der mit Jesus gekreuzigt worden war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus...“ (Aus dem Johannesevangelium: Kapitel 19; Verse 31 bis 37).


Weil Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist, hat sein Herz, wie jedes andere, zwei Herzkammern: eine äußere und eine innere. Die äußere zeigt seine unerschütterliche Liebe zu uns Menschen; seine innere verbirgt seinen Schmerz und sein Weinen über die Sünden der Menschen. Das Buch Jeremia aus dem Alten Testament erzählt, wie Gott seine Anliegen in das Herz der Menschen schreiben möchte. Immer wieder haben und brechen die Menschen den Bund, den Gott mit ihnen geschlossen hat.

Er ist treu, die Menschen aber können es oft nicht sein. Mit der ihnen gegebenen Freiheit können sie nicht umgehen. Deshalb legt er den Anker Hoffnung tiefer in ihr Herz hinein und sagt: „Ich lege mein Gesetzt in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz“ (Jeremia 31,33).

Ein Herz ganz nach dem Willen Gottes: unverfälscht, klar und rein! Ein einziges Mal gibt es dieses Herz: es ist das Herz Jesu! Seit 1969 feiert die katholische Kirche das ‚Hochfest vom Heiligsten Herz Jesu‘ am dritten Freitag nach Pfingsten. Ein Bild dafür, das der Geist Gottes es ist, der uns das Geheimnis und Wesen Gottes erklärt: seine unerschütterliche Liebe und sein leidenschaftliches Erbarmen. „Ein Mensch mit gütigem, hoffendem Herzen fliegt, läuft und freut sich; er ist frei! Weil er geben kann, empfängt er. Weil er hofft, liebt er!“ (Franziskus von Assisi).


Dreifaltigkeitssonntag

Ein Impuls von Margareta Gehlmann zu Matthäus 28, 16-20


Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.

Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.

Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.

Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,

und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

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Die Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, um Jesus zu treffen, denn sie hatten von den Frauen die Information erhalten, dass er auferstanden sei und ihnen nach dorthin vorausginge.


Jesu Tod bedeutet Leben: das will Jesus den Jüngern anscheinend klar machen.

Die Schlussfolgerung ist, sein Versprechen, die Zusicherung Jesu an seine Jünger: ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.


Welch eine Zusage! - an die Jünger und auch an uns heute!

Ich bin also nie allein! Mit dieser Zusage kann ich anders in mein Leben gehen.

Und wo kann ich diese Gegenwart erfahren?

Wo kann ich hingehen, um Jesus zu treffen?


Beim Katholikentag in Münster konnte ich spüren, dass wir diese Gemeinschaft sind, die im Namen Jesu zusammen ist. Die Gegenwart Jesu wird greifbar, wenn wir Nähe zueinander spüren - uns als Gemeinschaft spüren, wenn ich mich angenommen und geliebt weiß, dann muss ich mich nicht verstecken oder mich fürchten! Dann traue ich mich z.B. auch im Zug offen auf den anderen zuzugehen.


Ich wünsche allen diese Erfahrung, getragen zu sein von der Gegenwart Jesu, von dieser Atmosphäre.

Könnten wir wohl auch hier in Billerbeck diese Erfahrung machen?

Vielleicht kennen wir uns zu gut mit allen unseren Stärken und Schwächen. Da müsste die Festplatte in unserem Kopf gelöscht werden, es bedarf eines Schrittes und einer bedingungslosen Offenheit: einander wie neu zu sehen!

Nun wird mir klar, was dieses Evangelium mit dem Dreifaltigkeitssonntag zu tun haben könnte: Dreifaltigkeit ist gelebte Beziehung, gelebte Liebe, gelebte Liebesbeziehung aus der etwas Neues hervorgeht als die Grundlage jeder Sendung! So gelebte Gemeinschaft strahlt aus und ist anziehend.


Margareta Gehlmann