Impulse zum Sonntag

Kehrt um!

Ein Impuls zum ersten Fastensonntag (Markus 1, 12-15) von Monika Stockmann

Und sogleich trieb der Geist Jesus in die Wüste. Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.

Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!

Das heutige Evangelium ist knapp, prägnant, auf den Punkt gebracht, kein Wort zu viel. Es ist so ohne alles Drumherum, dass einem beinahe die Luft wegbleibt. Vielleicht ist es der typische Stil des Markusevangeliums, vielleicht ist es aber auch der Geschmack der beginnenden Fastenzeit, die uns zur Kargheit und zu einer wunderbaren Konzentration auf das Wesentliche einlädt.
Das Evangelium bringt in seiner Kürze mehrere zentrale Aussagen über Jesus:
Er steht in der Tradition der Propheten; in diesem Fall beinahe in unmittelbarer Nachfolge von Johannes dem Täufer, dem radikalen Gottsucher.
Er war ganz Mensch und kannte Trockenheit, Dürre und Versuchung.
Er leitet mit der sich erfüllenden Zeit eine neue Ära ein und weist mit seinem ganzen Leben auf Gottes neue Welt, auf das Reich Gottes hin.
Und das Evangelium sagt auch etwas über uns, zu uns, die wir uns in dieser Fastenzeit wieder neu auf Jesus Christus hin ausrichten wollen:
Kehrt um, das heißt, wandelt euch, denkt nicht zu klein und geht über eure bisherigen engen Grenzen hinaus, traut euch und dem Leben und Gott Größeres zu. Glaubt an das Evangelium; glaubt also – endlich –, dass Gott wirklich das gute, gerechte und erfüllte Leben für euch und für alle Menschen will. Das ist die Einladung dieser Fastenzeit.
(von Christine Rod MC)


Kirche und Karneval?

Ein Impuls zur Fastenzeit von Nils Heinen


Aschermittwochgebet


Ist das Leben nicht wie ein buntes Kostüm,

aus lauter Flicken zusammengesetzt,

welches ein Clown zur Show einst trug?

Müde, der lustigen und traurigen Späße,

legt er die Verkleidung nun ab,

die Vorstellung ist aus und vorbei.

Jeder Flicken zeugt von einer Episode,

einer bunten Palette vieler Geschichten,

die von Freud und Leid erzählen.


Doch wen interessiert ein abgelegtes Kleid?

Bastelt nicht jeder selbst am Flickenkostüm

seines eigenen Lebens und wird meist nie fertig?

Flicken sind Reststücke von Kleidern,

getragen in guten und in schlechten Zeiten.

Himmelhoch jauchzend … zu Tode betrübt,

schwelgte der Clown im Glück der Liebe,

weinte oft enttäuscht bittere Tränen,

und manche zum Abschied geliebter Menschen.


Fragt sich der Clown nun ohne Kostüm,

wenn er nackt vor dem Spiegel steht:

„War ich das bunte Flickenkostüm

welches ich trug, mich gut kleidete,

jetzt alt, zerzaust vor mir am Boden liegt

oder ist da mehr von mir gewesen?“


Wohl dem, der die Gnade hat zu erkennen,

Gott ist mein ewiges, mein unendliches Leben.

Als Bewusstsein schuf ich mir das bunte Kleid,

das äußere Flickenkostüm meiner Erfahrungen.

Ich lege es ab, sage Dank dem himmlischen Vater,

das war mein Leben, bereit, zu dir zurückzukehren.“

(Margrit Seelig de Boll)

Verkleidung, Pappnasen und Büttenredner schienen in letzter Zeit wieder alles bestimmt zu haben. Wenige wissen genau, woher diese Bräuche eigentlich kommen.

Selbst bei uns hier in Billerbeck, sind Kirche und Karneval eng mit einander Verbunden. So richtet die Kolpingfamilie in unserer Stadt jährlich die Karnevalssitzung aus. Alle zwei Jahre mit einer Bütt von unserem Propst.

Kirche und Karneval bilden schon deswegen ein Paar, weil der Karneval aufs Engste mit der bevorstehenden Fastenzeit zusammenhängt- sowohl carne vale (Fleisch, leb wohl!) als auch Fastnacht und Fastelovend spielen auf die Fastenzeit an. Seit christlicher Zeit tobt sich der Mensch im wilden Tanz des Karnevals noch einmal aus, bevor er in aller Stille mit Christus in die Wüste geht, um zu fasten.


Getreuer Gott, im Vertrauen auf dich

beginnen wir

die vierzig Tage der Umkehr und Buße.

Gib uns die Kraft zu christlicher Zucht,

damit wir dem Bösen absagen

und mit Entschiedenheit das Gute tun.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.


Bild: kolping-billerbeck.de



Ein gereimter Impuls zum Sonntag

von Diakon Thorsten Wellenkötter


Liebe Christen, liebe Leute,

etwas ist wohl anders heute!



Der Karneval – ich brauch´s kaum sagen,


der lebt auf in diesen Tagen.


Täglich kann man’s in der Zeitung lesen,


irgendwo im Städtchen ist was los gewesen.


Typisch ist für diese Zeit,


Frohsinn, Freude, Heiterkeit!



„Anders sein,“ heißt unser Wort,


drum fahr ich nun mal weiter fort.


„Seid anders!“ sagt nicht nur irgendwer,


sondern auch Jesus, unser Herr.


Denn Christus er verkündet allen,


die Christen sollen gern mal aus dem Rahmen fallen.


Armut, Hunger, Traurigkeit


Gibt’s bei Menschen weit und breit.


Wir könnten sagen - ist egal,


so ist nun diese Welt einmal.

Doch bei uns Christen soll es anders sein,

wir lassen andre nicht allein.



Im Evangelium kann man heute lesen,


einst war ein Mann schwer krank gewesen.


Doch Jesus lässt ihn nicht allein,


er sagt: Gott will es - werde rein!


Ganz anders als in dieser Welt gedacht,


wird der Mann gesund gemacht.


Plötzlich wandelt sich sein Leben,


Jesus hat ihm neuen Mut gegeben.



So gibt uns Jesus hier ein Zeichen,


wie wir‘s machen können dergleichen!


Natürlich, Wunder können wir nicht vollbringen,


aber Kraft steckt auch in kleinen Dingen!



Der Herr, er ruft uns groß und klein:


Wir sollen Gottes Helfer sein.


Indem wir alle miteinander teilen,


können wir die Wunden heilen.



Das ist nicht typisch hier für unsre Welt,


denn meistens zählt das liebe Geld.


Leistung, Effizenz und gute Leute,


so was braucht die Wirtschaft heute.



Pech wer da nicht qualifiziert,


der wird einfach abserviert.


Ganz anders Jesus – ohne Scherz,


er öffnet grade dem sein Herz,


der nicht passt in die Norm hinein,


bei Jesus darf man anders sein.



Drum sagt uns Jesus: Aufgepasst!


Es kann sein, dass die Welt euch hasst!


Doch freut euch und seid frohen Mutes,


für Christen hat dies auch was Gutes.


Denn was bei Christus wirklich zählt,


ist Leben für die bessre Welt.



Und auch die Christen, ich darf’s sagen,


dürften manche neue Sicht wohl wagen.


Mancher jammert, seufzt und kritisiert


und hat dabei noch nicht kapiert,


er selbst ist dazu eingeladen,


auch mal neue Wege hier zu wagen.


In Zukunft werden wir es sehn,


wird’s in der Kirche oft auch anders gehn.



Und wer jetzt denkt: Ja muss das sein?


Verändrung in der Kirche find ich aber gar nicht fein!


Dem darf ich einfach ehrlich sagen,


auch der Papst will Neues wagen.


‚Füllt den Wein in neue Schläuche‘


und schaut nicht nur auf alte Bräuche.


Dann merkt man auch in der Umgebung,


wir Christen sind noch in Bewegung.


So zeigen wir der Welt von heute,


Christen sind auch nette Leute.


Und mancher denkt vielleicht sodann,


ach, den Christen schließ ich mich noch an.



So schließt sich hier mein Predigtrahmen,


und ich sage deutlich ‚Amen‘!

To top


Was mich aufrichtet.

von Margareta Gehlmann zu Mk 1,29-39


Sie verließen die Synagoge und gingen zusammen mit Jakobus und Johannes gleich in das Haus des Simon und Andreas.

Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr und sie sorgte für sie.

Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt, und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war.

In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.

Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.


In den Versen zu Anfang des Markusevangeliums berichtet Markus – wie auch hier - von etlichen Heilungen, die Jesus gewirkt hat. Oft wird eine Krankheit beschrieben wie diese sich in körperlicher Behinderung oder Veränderung zeigt (der Blinde; der Gelähmte; die Frau, die an Blutfluss litt; Besessene…).


Jesus jedoch sieht den ganzen Menschen mit Seele, Geist und Leib.

Er sieht hin: auf den ganzen Menschen mit all seinen Fähigkeiten und seinen Grenzen.

Er nimmt die Zusammenhänge wahr, die sich hinter den äußerlichen Anzeichen verbergen und die das ganze Leben eines Menschen betreffen.

Jesus mag die guten Seiten anschauen genauso wie die unschönen, nicht gesunden Seiten von mir. Und genau bei diesen unschönen Seiten, die ich am liebsten nicht zeigen will, bietet Jesus mir etwas an. Eine Perspektive, eine neue Sicht - das macht frei – das befreit von allen Zwängen, von Angst, vom Nicht-sehen-können, vom Gelähmt-sein, vom Besetzt sein. Jesus weckt damit, was in mir schlummert. Eine tiefe Sehnsucht erkannt zu sein, so wie ich bin. Die tiefe Sehnsucht Ich sein zu dürfen. Wenn ich dies spüre, eröffnen sich neue Perspektiven - geschieht Heil-werden.


„...und richtete sie auf“ (Vers 31)

Als Jugendliche war ich in einer vermeintlich ausweglosen Situation. Ich fühlte mich alleine, einsam und kein Mensch verstand mich, ich mich selber auch nicht.

Da kam es mir irgendwie in den Sinn mich an Jesus zu wenden, IHM all meine Sorgen, mein Versagen, all meine Nöte anzuvertrauen.

Ist einer da, der mein Gebet hört? Das war tief in mir die Frage.

Bald spürte ich, ich sage dies nicht in einen leeren Raum, ich werde gehört, ich werde gesehen.

Wie eine Antwort stieg es in meinem Inneren auf: ich will dich so, so wie du bist - mit allen Unzulänglichkeiten, die du mir anvertraut hast.

...und das richtete mich auf!


„Die Schöne und das Biest“ – Was mich hässlich sein lässt

Ein Impuls zum Sonntag von Pfr. Frank Bakenecker


„Die Schöne und das Biest“ ist ein amerikanischer Liebes- und Fantasyfilm, und ein bekanntes Musical das durch ganz Deutschland tourt. Ein junger Prinz wird in ein hässliches Monster, einem Dämon, verwandelt, das angeblich die Bewohner eines Dorfes bedroht. Nur die Liebe einer Frau kann ihn erlösen. Von wem oder was fühlen Sie sich zurzeit bedroht? Krankheit, Arbeitslosigkeit, Verlustängste, Flüchtlingen, dem Islam, dem Wetter…?

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt wird Jesus heftig bedroht – von einem Mann, der von einem unreinen Geist, einen Dämon, besessen ist. Jesus bleibt ruhig. Er unterscheidet zwischen dem Dämon, als dem, was diesen Menschen besetzt hält, und der Person selbst. Dann befreit er ihn von dem, was ihn mit Hass erfüllt, was ihn hässlich macht. Diese Unterscheidung zwischen dem Menschen, wie er von Gott her gedacht und geschaffen ist; und dem Bösen, das ihn entstellt hat, ihn mit Hass erfüllt und so hässlich gemacht hat, ist das Schwerste, das von uns verlangt wird. Jede und jeder kann bei sich überprüfen, ob ihr, ob ihm dieses gelingt: beim Blick auf den angeblich bösen Nächsten neben mir, beim Blick auf meine eigenen Sorgen und Problemen. Ein Mensch, der sich nicht beherrscht, wird beherrscht, bis er im Besitz eines anderes ist, also besessen wird.

Jesus besetzt nicht, er bring Freiheit. Er löst den Menschen von den Geistern, die er nicht rief.

„Die Schöne und das Biest“. In diesem Film ist das Biest besessen von sich selbst, liebt und sieht nur sich selbst.

Eine junge Frau erkennt hinter seiner Fassade sein gutes Herz. Als sie ihm sterbend seine Liebe gesteht, wird das Biest erlöst und verwandelt sich wieder in den Prinzen.

Jesus schaut eine jede, einen jeden von uns mit seinem liebenden Blick an und unterscheidet bei uns zwischen dem, was uns besetzt hält und unserer Person. Durch seinen Tod am Kreuz hat er uns erlöst von dem, was uns mit Hass erfüllt, was uns manchmal hässlich sein lässt. Jesus unterscheidet zwischen dem, wie Gott uns gedacht und geschaffen hat und dem, was uns entstellt, was uns manchmal so anders, uns nicht uns selbst sein lässt. Vertrauen wir ihm unsere Leere, aber auch unsere Ängste und Bedrohungen an, damit er sie mit Leben füllen kann.

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